17
Mai
2008

Endstation

Das war dann also dieser Tag. Gutes Wetter. Warm, praller Frühling, was Baum war, das blühte. Flieder, Rhododendron, Kastanien. Oben am Himmel kündigte sich schon ein kleines Drama an. Wolken, die jederzeit bereit waren, sich aufzutürmen und sich in einem Donnerwetter zu entladen. Doch die Sonne überstrahlte sie elektrisch weiß.
Mit dem Abstand von 12 Stunden kann ich sagen: Ich möchte um Himmels willen keine schlichte Beerdigung und schon gar kein stilles Gedenken. Ich will Pomp, mächtig Musik, Reden, einen netten jungen Priester im Talar, Ohnmachtsanfälle am offenen Grab und theatralische Klagerufe. Ich will einen guten, stabilen Eichensarg, in dem ich mich in meinem besten Kleid so richtig breit machen kann und ein Grab mit gutem Blick auf die, die den Friedhof betreten. Und alle die, die gekommen sind, sollen mit fettem Essen beginnen, mein Fell gründlich zu versaufen. Am Schluß möchten sie sich bitte alle in den Armen liegen und unter Tränen blöde Witze und Erinnerungen erzählen. So.
Vor zwölf Jahren, als ihr Mann unter die Erde kam, gruppierten wir uns alle nach den Anweisungen von KKM. "Du bleibst hier stehen. ... Hibbel nicht so. ... Das trägst du!" Die ordnende Hand fehlte heute.
Im Aufenthaltsraum der Kapelle meine Eltern. Mein Vater an der Kante des Tisches, Bruder und Mutter Meter entfernt nebeneinander sitzend. Draußen stehen die Alten. Verlegen und vorsichtig. Manchmal noch mit den Resten der einstigen militärischen Haltung. F., der Chauffeur meines Großvaters küßt mich zweimal. Ich erinnere mich gern an ihn, denn wenn ich ihn sah, waren Ferien. Dann fuhr ich mit und mein Großvater stahl sich einen Nachmittag, um mit mir ins Museum zu gehen.
Im Schatten der Kapelle ein verwehter Greis mit einer einzelnen Rose. Einst war er Minister.
Die Schar der Freundinnen. Generalswitwen, Professorenwitwen. Alle aufgeregt. Sie waren Monate ohne Nachricht. KKM hatte das so bestimmt. Sie fragen nach: "Sie hat doch Morphium bekommen, oder?" Wir verneinen. Obwohl wir es uns selbst nicht erklären können, wie sie bis zum letzten Tag ohne Schmerzen geblieben sein soll. Der Blick der Frauen. Auch sie sind alle über achtzig. Viel Zeit haben sie nicht mehr.
Die Schulfreundin. Vor genau einem Jahr haben wir uns in der Oberlausitz zum endgütig letzten Klassentreffen gesehen. Das war meine letzte lange Fahrt mit KKM. Da war scheinbar alles schon Vorahnung.
Das Kind weint schon auf der Hinfahrt bitterlich. Wir halten sie im Arm. Ich habe mich schon morgens auf Haltung konditioniert. Theatermensch eben. It's showtime.
In der Kapelle ein leeres Rednerpult und Musik. Ich hatte schon am Tag ihres Todes eine Rede im Kopf, wissend, daß ich über den dritten Satz nicht hinausgekommen wäre. Es hätte ohnehin niemand verstanden, daß ich nicht über Politik gesprochen hätte. Nicht "unsere gerechte Sache" und "Kampf" gesagt hätte. Ich wollte aus Ich an Dich lesen. Diese wunderbare kleine Liebesgeschichte aus den späten 30ern, das Lieblingsbuch ihrer Jugend. Ich wollte über ein Mädchen erzählen, das auf seine Art der Kleinstadt und dem Kurzwarenladen der Eltern entfliehen wollte. Nicht Haushaltsschule sondern Pensionat für höhere Töchter war ihr Ziel. Und da sie ein Einzelkind war, gewährten ihr das die Eltern. Ihre Stickereien waren haarsträubend schlecht, nähen konnte sie ganz passabel, das hatte sie schon im Laden gelernt, Backen ... naja, aber Braten machen, Menüs auftafeln und große Gesellschaften organisieren, da war sie in ihrem Element. Mit den Nazis hatte sie nichts zu schaffen. Was alle machten und dachten, interessierte sie nicht.
Es ist nichts vorherbestimmt, sagte sie oft. Sie hat schließlich einen ehrgeizigen kommunistischen Arbeitersohn aus Dresden Leuben geheiratet, der künstlerische Ambitionen hatte und keinen General. Dazu hat das Leben ihn gemacht. Und sie. Der Satz Hinter einem starken Mann steht eine starke Frau traf auf kaum ein Paar besser zu. Mit einem unsicheren Hämchen hätte mein Großvater diesen Weg nicht gehen können. Sie organisierte den Haushalt, die Freundschaften, führte den Terminkalender und zog die Kinder groß. Sie klagte nicht, wenn mein Großvater für unbestimmte Monate mit unbekanntem Ziel abkommandiert wurde. Aber sie bestand auf Diamanten. Er hielt zu ihr und ehelichte nicht wie viele seiner Gefährten in zweiten Gang die Sekretärin und sie hielt zu ihm, als er mit sechzig halb taub pensioniert wurde. (Wer beim Raketenschießen Gehörschutz trug, galt als Weichei.) Sie akzeptierte, daß große Reisen und Unternehmungen nicht mehr möglich waren. Es gab immer wieder heftigen Krach (ohnehin, der Ton in einer Ehe, in der einer sich dem anderen nur noch schreiend verständlich machen kann, ist roh und knapp), aber schnell eine Versöhnung und nie Resignation, nie enegieraubenden Kleinkrieg.
...
Diese Rede wurde nicht gehalten, sie wäre ohnehin zu lang geworden. Mein Onkel sagte am Grab ein paar schöne Worte. Daß sie beide Eheringe mitgenommen hätte, denn sicher würde sie da oben ihren Mann wieder treffen. Die alten Kommunisten nickten andächtig. Und ich fügte in Gedanken hinzu, daß sie auf dem Weg dorthin gern die Zeit lassen könne, noch mal ein paar nette Herren vom Typ Jopi Heesters zu treffen. Denn das hatte sie mehrere Male gesagt, wäre das Einzige gewesen, was sie in einem neuen Leben anders gemacht hätte. Sie hätte gern mehr als den einen Mann ausprobiert. Der dann letztlich der Richtige war.

Die Familie steht sonderbar versprengt am Grab und nimmt die Kondolenzen entgegen. Das Gesicht von meinem Vater ist dunkelrot. Seine Körperhaltung sagt: Ich kann das nicht, laßt das vorbei sein.
Ich stehe vor dem Grab und kippe langsam um. Denke panisch: Scheiße, bloß nicht in Ohnmacht fallen. Aber es hatte nur der trockene Sand unter den Hacken meiner Schuhe nachgegeben.
Das Kind und ich liegen uns weinend in den Armen. Wenn es schlimm wird, legt HeMan die Hand auf meinen Rücken. Der soziale Vater vom Kind ist auch gekommen. Wie schön. KKM vergaß nur im letzten Jahr, als sie schon recht wunderlich wurde, ihm zum Geburtstag zu gratulieren und sich nach dem Befinden von Frau und Kindern zu erkundigen.
In der Kneipe stoßen wir tapfer mit Rotkäppchen halbtrocken an. Das war schließlich ihr Lieblingssekt. Es gibt Kuchen, Schlagsahne und kannenweise Kaffee.
Doch die alten Leutchen sind nicht mehr so trinkfest wie früher und auch meine Eltern verabschieden sich bald. Das Taxi wartet und mein Vater wirkt einfach nur fertig. Sonderbare Abschiede. Bei KKMs Freunden weiß man, daß man sich nicht wieder sehen wird und schweigt darüber. Die Verwandtschaft ist mit Sicherheit zum letzten Mal so zusammengekommen. Und spricht das aus: "Na da werden wir uns wohl kaum noch mal wiedersehen..."
Dann stehen wir auf der Straße. Ich habe Hunger, denn der Kuchen war nichts für mich. Nun bin ich endgültig erwachsen, nun habe ich das Sagen. Das, was an Familie übrig ist, muß will ich zusammenhalten.
Ich lade sie zum Essen ein. Auf der Terrasse vom Kaffeekahn essen wir Fisch und Bratkartoffeln. Das Kind bestellt Königsberger Klopse. Der dringend benötigte Regen vernebelt die Flußlandschaft und läßt die Luft süß riechen.
Wir verabreden, daß wir KKM im November, an ihrem Geburtstag, Rotkäppchen halbtrocken aufs Grab schütten.

15
Mai
2008

The Psychosomatics

Mein Vater leidet seit einer Woche unter Erstickungsanfällen. Zum Arzt geht er nicht. Er hat seinem Bruder schon angekündigt, daß er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Beedigung von KKM kommen wird. Er möchte nicht vor aller Augen zusammenbrechen. Ich versuche, ihm irgendwie eine Struktur zu vermitteln. Meine Mutter könnte ihn fahren, er müßte nur so lange bleiben, wie es ihm gut ginge etc. pp.
Meine Mutter schimpft dagegen, ihr ginge es schließlich auch nicht gut. Sie könne nicht Auto fahren, schließlich sei sie halb blind. (Das war mir neu. Vor drei Tagen war sie lediglich nicht in der Lage, auf eine Leiter zu steigen, wegen der Beine. Nun beginnt also schon Blindheit.)
...nebenbei: meine Eltern gehen auf Mitte 60, ein Alter in dem andere sich ein Mountainbike kaufen und noch mal richtig loslegen...
Ok., also habe ich einen Taxifahrer bestellt, der die beiden Leidenden nach Berlin fährt und meine Mutter gebrieft, daß sie einen Notarzt bestellt, wenn mein Vater endgültig den sterbenden Schwan macht.
Gottverdammter Affenzirkus. Ich hasse meine Familie. Ich würde mir einmal so was wie Haltung und Zuverlässigkeit wünschen.

13
Mai
2008

Live und für umme

Große Empfehlung für dieses Konzert:

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Da es so schwer zu lesen ist: Culcha Candela, Nosliw, die Ohrbooten u.v.a.
Und bitte weitersagen, es ist für einen guten Zweck!

Die Gier, oh die Gier

Jetzt geht es los, das Verteilen, eins für dich, eins für mich, eins für mich, keins für dich. Alles klar? Wir wollen uns doch nicht streiten!
Mein Vater, mit dem Blick eines verwirrten Zugtieres, nickt alles ab. Er kann zwar ellenlange Formeln ausdenken und aufschreiben, die beweisen, das etwas von der Größe einer Zigarre tatsächlich fliegen kann, aber bei den ätsche-bätsche-ich bin schneller!-Spielen hat er immer verloren. Leider hat er mir das vererbt, zusammen mit einem leichten Asperger-Syndrom. Ich kompensiere das sonst mit Akribie und Bestimmtheit, aber in dieser Geschichte habe ich nichts zu sagen.
Das Haus ist voll mit Dingen, die kaum noch jemand braucht. Schon gar keiner, der ein flexibles Leben führt: ledergebundene Dichtergesamtausgaben, Kristall, Silber, Goldrandporzellan für ein ganzes Heer, Zinn, Tischleinen, Teppiche, Militaria, Antiquitäten und in Halbsätzen wird klar, daß die Hauptstücke alle schon einmal klammheimlich außer Haus waren, zum Schätzen. Einer weiß um den Wert der Dinge und hütet sich, konkret darüber zu sprechen, der andere möchte sich ungern damit beschäftigen, er kann die Gegenstände seiner Kindheit nicht in Geld ausdrücken.
Der eine ist ein windiger und erfolgreicher Geschäftsmann, der andere ein am Leben gescheiterter Wissenschaftler.

Real Life

Heute nacht habe ich im Traum schon mal die Liste gemacht, die für heute morgen im Aufgabenfach steht.
Ich habe 25 Leute abtelefoniert, Notizen gemacht und einen nicht erreicht.
Dann bin ich voller Freude aufgewacht und die Liste war weg.

9
Mai
2008

Sonne auf der Haut

Als ich heute dann doch nicht ins schöne Kaff Frankfurt an der Oder fuhr, weil der erste Stau schon in Adlershof begann, war mir das Badeschiff gerade recht.
Erfahrene User kommen morgens bzw. am Vormittag. Ab dreizehn Uhr reiten hier neuerdings die Pubertisten ein. In Rudeln lassen sich die Mädchen kreischend ins Wasser fallen, ziehen jede Menge alter Spanner an, aber ungeachtet dessen präsentieren die Jungs ihnen ihre Arschbombenkünste. Meine Empfehlung, sie sollen sich wieder in die verpinkelten städtischen Spaßbäder verziehen, nahmen sie leider nicht ernst. Wahrscheinlich ist das Prinzenbad mittlerweile so fest in türkisch-arabischer Hand, daß sie sich nicht mehr hintrauen.
Der Schwulenzirkus fehlte. Wahrscheinlich muß erst vorgebräunt und trainiert werden. Möchte auch sein. Ich will eingeölte Körper sehen für meine drei Euro.

8
Mai
2008

Neuigkeiten aus Hypochondrien

Wenn ich mir ansehe, wie oft ich mich hier über Zipperlein auslasse, dann graust mir davor, noch 10 Jahre älter zu werden. Wahrscheinlich werde ich dann eine Batterie von medizinischen Nachschlagewerken (vulgo: Doktorbücher) in Reichweite haben und sämtliche Gesundheitsforen sind als Bookmarks abgelegt.
Mein Verhältnis zu meinem Körper schwankt zwischen unmotivierter Hypochondrie und völliger Ignoranz. So wie übermäßig gefühlskontrollierte Menschen Emotion nur über Sentimentalität rauslassen können, so brechen bei mir Krankheiten nur aus, wenn ich sie zuvor genehmigt habe und ich weiterhin jede Zuckung aufmerksam beobachte und analysiere.
Vor ein paar Jahren bin ich monatelang mit einer Salmonelleninfektion herumgelaufen. Den ständigen Durchfall schob ich auf Streß oder falsche Dosierung der Schilddrüsentabletten. Nach einem halben Jahr ging ich dann doch zum Arzt. Ich war teigig, weiß, schlapp, deprimiert und hatte eine Dauererkältung. Der Arzt erklärte mich schlichtweg für bekloppt, verschrieb mir ein paar Tabletten (er ersparte mir Gott sei Dank die Meldepflicht nach dem Seuchengesetz) und der Spuk hatte ein Ende.
Gestern saß ich wieder einmal beim Arzt. Meine Wintererkältung ist seit Wochen kuriert und auch der Schmerz um KKM konnte nicht bewirken, daß ich ständig müde, mutlos und aufgedunsen bin.
Mittlerweile bin ich die Art dieser netten Kampflesbe gewöhnt. Beim ersten Mal war ich leicht verunsichert. Es ist aber nicht schlecht, von einer Frau untenrum angepackt zu werden, wie einen sonst nur ein Kerl anpackt. Und beim Ultraschall ein Kompliment über die gut trainierten Brustmuskeln zu bekommen, das geht doch runter wie Öl.
Den Übeltäter haben wir auch gefunden. Ein pingpongballgroßer Energiefresser, wieder einmal eine subtile Rache meines zu überbordender Fruchtbarkeit ausgelegten Körpers für nicht stattgefundene Schwangerschaften. Auf die Frage: Haben sie Schmerzen? schüttelte ich den Kopf. Ichhabdochkeineschmerzendashabendochnurweichlinge.
Heute nacht dann erinnere ich mich daran, daß ich in den letzten Monaten öfter mit der Hand auf dem Bauch dasaß oder mich zusammenriß. Mal dachte ich an eine Blinddarmreizung, dann fühlte es sich nach Nierenschmerzen an, selten aber um so intensiver riß es durch das ganze Becken bis hinunter in die Fußsohle.
Jetzt, wo ich weiß, was das war, möchte ich das Ding eigentlich nicht mehr mit mir herumtragen. Ich möchte wieder fit sein.
Die Ärztin schaute aber in aller Seelenruhe auf ihren Kalender und meinte: das beobachten wir erst mal, außerdem fahre ich übermorgen in Urlaub. Wenn es anfängt weh zu tun, müssen sie schnell zu einem anderen Arzt gehen.
In meinem Kopf habe ich das Bild aus "Total Recall". Arnie zieht sich den Sender aus der Nase. Was gäbe ich darum, daß ich dieses Ding einfach rauszaubern könnte...
Menno.

7
Mai
2008

Kein Kommentar

Unsere Mutter ist Anfang bis Mitte 30 und sieht für ihr Alter noch sehr gut aus...

Briefing für einen Werbespot

6
Mai
2008

Die Lösung

für ein nervendes Problem zu finden, kann sich toll anfühlen.
Seit einem halben Jahr flog mein großer Laptop, den ich als Arbeitsplatz benutze, aus dem WLAN.
Keine Bastelei hat genutzt. Kein Wechsel der Frequenz (auf meinem Hof senden zeitweise acht Router auf der 6), kein Treiberwechsel von M*croschrott auf I*tel. In den letzten Tagen war es so schlimm, daß ich mich im Minutentakt wieder einloggen mußte.
In keinem Forum war eine Lösung zu finden. Bis ich dann, irgendwo, tief in Diskussionen verkramt, darauf kam, daß der große Laptop (im Gegensatz zum kleinen, der nicht zickte) ja ein super-duper-teuer-Gerät ist und deshalb mit XP Professional läuft. Und bei SP 2 gab es wohl noch mal eine Verbesserung der Verschlüsselung, die dieses Problem auslöste. Dafür gibt es einen Patch. Kein Problem. Man muß es nur wissen.
Himmelherrgottsakrament!!!!
Und sonst? Komische Erlebnisse. Vergesslichkeit allenthalben, mir fällt alles aus dem Hirn. Nahe Menschen, die für mich da sind, so sehr, daß ich Angst bekomme, daß ich zu viel bekomme und schlechtes damit auslöse. Andere nahe Menschen, auf die ich mich wie immer nicht verlassen kann. Blutsverwandtschaft sogar.
Heute beim Ausparken ein komisches Erlebnis. Der Verkehr braust an mir vorbei. Ich stoße noch einmal kurz in die Parklücke, damit ein Radler nicht an einen LKW gedrängt wird. Dann sehe ich im Rückspiegel, wie das hinter mir parkende Auto auf mich zukommt. Ich trete auf die Bremse. In der nächsten Zehntelsekunde kippt alles um mich herum unter brüllendem Lärm auf mich zu. Ich trete das Bremspedal fast durchs Bodenblech. Warum kommt das Auto nicht zum Stehen? In der nächsten Zehntelsekunde ist wieder alles klar. Mein Auto steht. Es steht die ganze Zeit über. Der Wagen hinter mir hat keinen Fahrer. Mir ist schlecht.
In Zukunft gehe ich es langsamer an.

2
Mai
2008

Das Leben geht weiter

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Der Wörlitzer Park ist so ziemlich das schönste Fleckchen gestalteter Erde, das ich kenne. Nur die Menschenmassen könnten bitte das nächste Mal zu Hause bleiben.
+++
Kleinstadt- und Landbevölkerung aus Sachsen-Anhalt, dem Land der Frühausteher, sieht auch im Jahr 19 nach dem Mauerfall unintelligent, (alkohol)krank und primitiv aus, da helfen auch die Westklamotten nix. Wenn sie den Mund aufmachen wird es noch viel viel schlimmer.
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Aber schöne Jagdhunde haben sie.
+++
Es ist herrlich, zum ersten Mal seit 8 Jahren kann ich den Frühling wieder riechen. Eine neue chemische Keule hält meine Pollenallergie klein ohne mich in einen Zombie zu verwandeln.
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Manchmal überfällt es mich. Es wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Vergißmeinnicht im Park. Der Gedanke, daß KKMs Garten derzeit von Vergißmeinnicht zugewuchert ist, selbst in den Zementfugen der Garageneinfahrt stehen sie. Ein voller Teller Essen. Ein Gedanke: Hey Omi, das genieße ich auch für dich. Blühende Apfelbäume. Jahrelang haben ihre alten Apfelbäume nicht geblüht. Dieses Jahr sind sie über und über weiß und rosa. Der Rhododendron. Dieses Jahr ohne sie.
Danach geht immer eine Weile nichts mehr. Und Mascara sollte ich mir derzeit sparen.
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Kneipen in Spargelregionen kochen bitteren und pappigen Spargel. Leider, jeder Test ist bisher schief gegangen.
+++
Ich sollte öfter einfach die Schnauze halten.
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Im Frühling ist das Leben schön.
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Nachtrag: Wir steigen in Elsendorf bei Beelitz aus dem Auto. Es grölt aus einem Hof laut über die Straße "S*eg Heil!", es läuft das Spiel Bayern München gegen St. Petersburg.
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